Montag, 3. Dezember 2012

Freigeist Weimar: „Die Kirchen“, sprich die Priesterkaste, sind Teil des Systems!

Freigeist Weimar: „Die Kirchen“, sprich die Priesterkaste, sind Teil des Systems!

 „Die Kirchen“, sprich die Priesterkaste, sind Teil des Systems!


WEIMAR. (fgw) Immer wieder, wenn laizistische Forderungen zur Vollendung des Verfassungsgebotes zur Trennung von Staat und Kirche(n) erhoben werden, immer wenn kirchenkritische Meinungen geäußert werden, hört man von tonangebenden Politikgrößen, auch der LINKEN, unisono stets diese Worte der Ablehnung: Die Kirchen sind doch unsere Verbündeten im Kampf gegen den Sozialabbau und für soziale Rechte, sie sind auch unsere Verbündeten im Kampf für den Frieden, Kirchenkritik und Laizismus kosten uns Wählerstimmen… Solche Forderungen sind unerhört und schaden uns nur. Also soll alles so bleiben wie es ist…



Vielleicht sollte zunächst einmal klar gestellt sein, daß sich Laizismus und Kirchenkritik nicht gegen die Gläubigen richten, auch nicht gegen die Gemeinschaft von Gläubigen, sondern ausschließlich gegen die (früheren Staats-)Kirchen als Machtinstrument und die Personifizierung dieses Machtinstrumentes in der Priesterkaste. Priesterkaste ist konkreter als der Begriff Klerus.
 
Priesterkasten haben sich in der Menschheitsgeschichte früher oder später über den Staat, über die Gesellschaft erhoben und waren in ihrer Maßlosigkeit fast immer eine der Hauptursachen für den Untergang von Zivilisationen.
 
Halten wir uns doch ganz einfach mal dies vor Augen: Seit das Christentum zur Kirche geworden ist und vor rund 1.700 Jahren mit dem Staat verschmolz wurde, ist diese Kirche in wandelnder Form stets Teil des Systems gewesen - und das bis heute. Kirche, sprich die Priesterkaste, war Teil des Staates bzw. sogar Staat selbst, siehe Kirchenstaat in Italien oder bis 1803 die diversen geistlichen Fürstentümer im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation". Und auch heute noch sind Staat und frühere Staats-Kirchen in nicht wenigen Fällen institutionell miteinander verbunden.
 
Wichtiger und vor allem schwerwiegender aber noch als diese institutionelle Verbindung ist der Status der früheren Staats-Kirchen als fester Bestandteil der jeweiligen ökonomischen Ordnung. Das begann in der Spätantike als zweitgrößter Grund- und Sklavenbesitzer nach dem Kaiser (also dem Staat), das blieb so im Feudalismus (wo die Priesterkaste sogar größter Großgrundbesitzer war) und das ist auch heute noch so: die angeblich 1803 enteigneten evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer sind nach wie vor kollektiver größter Großgrundbesitzer in Deutschland, sie sind auch kollektive Großkapitalisten (man denke nur an den Weltbild-Konzern oder einen Sozialkonzern wie Agaplesion - von dem sicherlich kaum ein Normalbürger je etwas gehört hat) und sie sind sogar kollektive Großbankiers. Und damit sind sie nicht nur Teil des kapitalistischen Systems, sondern auch unnachgiebige Verteidiger dieser Ausbeuterordnung. Ganz im Sinne der „Heiligen Schrift" und des Kirchenvaters Paulus, für die die Sklaverei etwas „Gottgegebenes" waren.
 
 

Nur ein Beispiel für die Verquickung von Staat und Kirchen

 
„Der Zentrale Ökumenische Polizeigottesdienst für Thüringen wird am kommenden Donnerstag (29. November) um 14 Uhr in der Stadtkirche in Meiningen gefeiert. Etwa 300 Teilnehmer werden erwartet. Einbezogen ist das Gedenken an die in diesem Jahr im Dienstalter verstorbenen Polizistinnen und Polizisten. Der Thüringer Innenminister Jörg Geibert wird die Namen verlesen. Im Anschluss an den Gottesdienst sind die Angehörigen zum Kirchenkaffee mit Gesprächen eingeladen.
 
Die seit 1998 einmal im Jahr angebotenen Landespolizeigottesdienste gestalten die Polizeipfarrer der evangelischen und katholischen Kirche gemeinsam. In diesem Jahr hält der evangelische Landespolizeipfarrer Michael Zippel die Predigt, das Totengedenken leitet der katholische Landespolizeipfarrer Karl-Josef Wagenführ. Die Kollekte ist für die Hospizarbeit im Kirchenkreis Meiningen bestimmt.
 
In Thüringen gibt es für die seelsorgerliche Begleitung der Polizistinnen und Polizisten neben den beiden hauptamtlichen Landespolizeipfarrern der evangelischen und der katholischen Kirche 16 ehren- und nebenamtliche Seelsorger. Die Polizeiseelsorger unterstützen die Polizeibeamten insbesondere in Krisensituationen, bei schweren Unfällen und in schwierigen Einsatzlagen wie Großdemonstrationen. Zur Aufgabe der Polizeiseelsorge gehören der berufsethische Unterricht in der Ausbildung und Seminarangebote. Dabei werden mit den Polizistinnen und Polizisten ethische Fragen erörtert."
 
So steht es geschrieben in einer gemeinsamen Presseerklärung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und des Bistums Erfurt vom 28.11.2012.
 
Wer bezahlt eigentlich die hauptamtlichen Landespolizeipfarrer? Die Kirchen aus ihren Beitragseinnahmen und Gewinnen aus Vermögen oder der Staat? Und warum eigentlich sind Pfarrer mit der berufsethischen Unterrichtung der Polizei betraut? Diese ist keine freiwillige Veranstaltung, sondern pflichtig und damit auch Pflicht für alle nicht- und andersgläubigen Polizisten.
 
Gleiches gilt für die Bundeswehr mit ihren Militärseelsorgern und dem ebenfalls pflichtigen „lebenskundlichen Unterricht". Und das ist nun wahrlich kein Beispiel für den Friedenskampf der Kirchen. Ebensowenig wie solche Befehle bei militärischem Zeremoniell „Helm ab zum Gebet", ungeachtet der Religion und Weltanschauung der Militärangehörigen.
 
 

Wer unkritisches Sprachrohr ist und/oder sich anbiedert, wird belohnt!

 
Missionierung und Manipulierung der öffentlichen Meinung sind wichtig für den Erhalt der ökonomischen Macht der Priesterkaste und ihres immensen Einflusses auf die Politik. Wer sich anbiedert, wer kritiklos Propagandasprüche unters Volk bringt, der wird selbstverständlich wohlwollend belohnt. Hierfür steht eine Pressemitteilung des katholischen Bistums Erfurt vom 26.11.2012:
 
Unter der Überschrift „journalistisch WERTvoll" heißt es da:
 
Bischöfliche Gratulation zur Auszeichnung für die Beiträge der Zeitung "Thüringer Allgemeine" (TA) zum Papstbesuch
 
Erfurt (BiP). Der Erfurter Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke hat dem Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen" (TA) zur Auszeichnung "journalistisch WERTvoll" im Rahmen der Verleihung des Katholischen Medienpreises 2012 gratuliert.
 
Paul-Josef Raue erhielt die Ehrung im Bereich Printmedien für die Konzeption der TA-Berichterstattung zum Deutschlandbesuch des Papstes im Jahr 2011, bei dem Benedikt XVI. auch nach Thüringen kam. Der Katholische Medienpreis und die zusätzliche Auszeichnung "journalistisch WERTvoll" werden von der Deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e.V. (GKPO) und dem Katholischen Medienverband e.V. (KM.) seit 2003 verliehen.
 
Die Jury würdigte die Beiträge der TA als eine "herausragende Teamleistung einer gesamten Redaktion, die über das erwartbare Maß deutlich hinausging", heißt es in der Preisbegründung. Dass diese außerordentliche Berichterstattung, die mit Veranstaltungen mit Experten ergänzt wurde und multimedial angelegt war, als "journalistisch WERTvoll" beurteilt wurde, freue das Bistum Erfurt, schrieb Weihbischof Hauke in einem Brief an den Chefredakteur.
 
Der Weihbischof gratulierte Raue und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TA "auf das herzlichste" und fügte zum Ende des Briefes wörtlich hinzu: "Dass wir als Thüringer Ortskirche darüber hinaus auch abseits der großen kirchlichen Ereignisse in der Redaktion der "Thüringer Allgemeinen" und in den vielen anderen Redaktionen unseres Freistaates auf Interesse stoßen, freut uns nicht weniger und erfüllt uns mit Dankbarkeit", so Hauke."
 
Nun, unter journalistisch wertvoll versteht das journalistische Berufsethos etwas ganz anderes, nämlich u.a. Objektivität, kritische Distanz. Wobei das nicht nur Journalisten wissen, sondern gleichermaßen auch viele Zeitungsleser. So heißt es am 01.11.2012 zu diesem Thema in einem Leserbrief:
 
„Unerwartete Teamleistung der Redaktion einer unabhängigen Zeitung erfüllt Weihbischof Hauke mit herzlichster Dankbarkeit. Aber was hatten besagter Weihbischof und Bischof Dr. Fürst von der TA erwartet? Einen Preis für den »journalistisch wertvollen« Chefredakteur war es denen nun wert.
 
Ob sich die ganze unabhängige Redaktion über jene veröffentlichte Dankbarkeit auch freuen kann? Werden damit nicht die Vorwürfe einer tendenziösen Berichterstattung erhärtet?
 
Die Konzeption der Berichterstattung war offensichtlich ganz im Sinne der Bischofskonferenz, war sie das aber auch für die Leser?"
 
 

Es klingelt in der Kasse: Kundeneinlagen bei Kirchenbanken

 
Kommen wir zum Geld der Kirchen, über das diese lieber schweigen. Dennoch läßt sich auch hier nicht alles verschweigen. Zu diesem Zweck hat man eigene Kirchenbanken eingerichtet, die ganz diskret Bankgeschäfte betreiben, nicht anders als die großen Privatbanken im engeren Sinne.
 
Bei den Kirchenbanken, von denen es derzeit acht (zu den großen Amtskirchen gehörige Banken; hierzu zählt übrigens auch die GLS Bank!) in Deutschland gibt, konnten (Ende 2010) rund 26,6 Mrd. Euro Geldeinlagen und eine vermutlich mindestens gleich große Summe von Kapitalanlagen in den Kundendepots ermittelt werden. Auf der Grundlage, dass sich bei den Kirchenbanken nur ein Drittel der Konten von kirchlichen Rechtsträgern befindet, ist von einem Kapitalvolumen der Kirchen von rund 150 Mrd. Euro auszugehen.
 
Bei den Kirchenbanken haben vorrangig konfessionelle Rechtsträger ein Konto und damit wird das dort vorhandene institutionelle Geldvermögen im konfessionellen Bereich öffentlich sichtbar. Abgezogen werden müssen die Geldeinlagen von (konfessionellen) Privatkunden, deren Anteil je nach Bank verschieden hoch ist. Der Anteil dieser privaten Geldeinlagen variiert auch in verschiedenen Jahren und wurde von der Bank im Bistum Essen eG im Geschäftsbericht 2011 mit etwa 8,5 Prozent angegeben, von der Evangelische Kreditgenossenschaft eG mit ca. 20 Prozent. Ein Mittelwert von 15 Prozent Geldeinlagen von Privatkunden erscheint plausibel und wäre dementsprechend von den Gesamtsummen abzuziehen, um die Geldeinlagen auf die institutionellen Kunden aus Kirche, Caritas und Diakonie zu begrenzen. Insofern ist ein sichtbares institutionelles Geldvermögen in der Größenordnung von rund 23 Mrd. Euro bei den Kirchenbanken feststellbar.
 
Neben diesen sichtbaren Geldeinlagen, gibt es bei den Kirchenbanken „unsichtbare", weil bilanzunwirksame Spezialfonds, Anleihen und Kundendepots, die nicht bilanziert werden und damit in den Geschäftsberichten der Kirchenbanken nicht genannt werden. Die EKK bezifferte auf Nachfrage 2004 das verwaltete Kundenvolumen auf insgesamt 5,5 Mrd. Euro (bei 2,9 Mrd. Euro Kundeneinlagen), die Pax-Bank spricht 2010 von 1,8 Mrd. Kundeneinlagen und 4,3 Mrd. verwaltetes Kundenvolumen. Der sichtbare Teil der Geldeinlagen wäre entsprechend um bei den Kirchenbanken unsichtbares weiteres Kapitalvermögen etwa bzw. mindestens zu verdoppeln.
 
Das gesamte Kapitalvermögen beider Kirchen wird auf (mindestens) die dreifache Summe der bei den Kirchenbanken deponierten Gelder geschätzt, da rund zwei Drittel der Kontenverbindungen im kirchlichen Bereich bei normalen Geschäftsbanken bestehen, bei denen der Kapitalbestand kirchlicher Rechtsträger in dieser Hinsicht nicht öffentlich sichtbar ist. Bei rund 50 Mrd. Euro Kapitalvermögen bei den Kirchenbanken wäre entsprechend ein gesamtes Kapitalvolumen kirchlicher Rechtsträger von rund 150 Mrd. Euro anzunehmen.
 
Bemerkenswert dabei sind die Veränderungen in den letzten Jahren, in denen besonders von den Kirchen auf die immer geringer werdenden Kirchensteuereinnahmen verwiesen wurde. Trotzdem wurden zwischen 1999 bis Ende 2010 nur bei den Kirchenbanken insgesamt 5,72 Mrd. Euro mehr auf die Konten gelegt, mit einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 2,2 Prozent pro Jahr. Mit anderen Worten, es wurden jährlich rund 470 Mio. Euro oder täglich knapp 1,3 Mio. Euro mehr auf die Konten nur bei den Kirchenbanken gelegt.
 
Bei der Zeitreihe für die evangelischen Kirchenbanken wird deutlich, dass im Jahr 2000 rund 670 Millionen Euro weniger als Geldeinlage „geparkt" und stattdessen in Aktienfonds (wie aus den Geschäftsberichten der Kirchenbanken zu schließen ist) angelegt wurden.
 
Da besonders die evangelischen Kirchenbanken ab dem Jahr 2000 mehr Kundengelder in Aktiendepots angelegt hatten, waren diese Banken auch mehr vom Kursverfall der Aktien und dem damit verbundenen Kapitalverlust ab 2001 betroffen. Dies ist sicher auch einer der Gründe für den Zusammenschluss der Evangelischen Darlehns-Genossenschaft eG mit der Bank für Kirche und Diakonie eG im Jahr 2003 und einem weiteren Zusammenschluss mit der Landeskirchlichen Kredit-Genossenschaft Sachsen eG im Jahre 2005. Im gleichen Jahr schlossen sich die ACREDOBANK mit der Evangelischen Kreditgenossenschaft eG Kassel zusammen. Durch diese Maßnahmen konnte der Abwärtstrend aufgehalten werden und die drei verbliebenen evangelischen Banken (auch die Evangelische Darlehns-Genossenschaft eG) konnten 2011 wieder ein Plus bei den Kundeneinlagen verbuchen.
 
 
Mehr dazu beim Humanistischen Pressedienst hpd.
 
 

Aktienkapital, unternehmerisches Wirken, Lohndrückerorganisation

 
Die Kirchenbanken halten also Aktienfonds... Wie jeder andere Kapitalist auch. Sie werden aber daneben expansiv direkt unternehmerisch tätig, was aber dem ungeschulten Auge hinter den harmlosen Begriffen von Diakonie und Caritas versteckt wird. Ein Beispiel nur:
 
Da gibt es u.a. den „diakonischen" Gesundheitskonzern Agaplesion mit mehr als 100 Einrichtungen, 17.500 Beschäftigten und rund einer Milliarde Jahresumsatz. Dieser agiert als Wirtschaftsunternehmen nicht anders als andere private Sozial-/Krankenhauskonzerne (Helios etc.). Nur daß dem Aufsichtsrat kein Arbeitnehmervertreter angehören muß, daß wegen des sogenannten Dritten Weges Betriebsräte und Streikrecht außen vor bleiben. Und wer sich Daten über Vorstandsbezüge von Sozialkonzernen in kirchlichem Besitz anschaut (siehe Frerk zu Caritas und Diakonie), wird eines feststellen können: Diese Herren (es sind kaum Damen dabei) werden nicht anders vergütet als Manager anderer privater Unternehmen. Und nicht selten verdient so ein „kirchlicher Geschäfteführer" sogar mehr als Bundespräsident oder -kanzler...
 
Dennoch werden Kleriker nicht müde, Sonntagsreden zu halten: So heißt es in einem Bericht über den 26. Journalistentag der dju (in der Gewerkschaft ver.di) in diesem November:
 
„Einen leidenschaftlichen Appell richtete die Generalsuperintendentin der Evangelischen Kirche in Berlin, Ulrike Trautwein, an die Mitglieder der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) in ver.di. »Warum macht ihr euch nicht endlich gemein mit der gerechten Sache?«, fragte sie und las lange Passagen aus der Bibel über den Einsatz für die Armen und Schwachen vor. Nachdem mehrere Zuhörer den Saal verlassen hatten, meldete sich ein Redakteur zu Wort und bezeichnete die Evangelische Kirche als »zweitgrößte Lohndrückerorganisation im Sozialbereich«, von der er solche Appelle nicht hören wolle. Trautwein räumte ein, die Kirche mache »einen zu großen Heiligenschein um ihren Dritten Weg«. Die Referentin beklagte aber auch »Polemik« von ver.di-Vertretern..."
 
Nun, dem erwähnten Journalisten kann man nach Kenntnis der Dinge nur zustimmen. Eigentlich bestätigt er aber nur ein bereits jahrhundertealtes Sprichwort über die christlichen Priester: „Sie predigen öffentlich Wasser und saufen selbst heimlich Wein."
 
 

Die Kirchen als ganz gewöhnlicher Kapitalist

 
Dafür mögen - unkommentiert - nur zwei weitere aktuelle Zeitungsartikel stehen.
 
Die linkem, sozialistischem Gedankengut sehr fern stehende Zeitschrift „Wirtschaftswoche" schrieb am 20.11.2012 u.a.:
 
„Ob Kita-Ausbau, Ganztagsschule oder Altenpflege - in den Wachstumsfeldern des Sozialstaats spielen die kirchlichen Wohlfahrtsträger Caritas und Diakonie die entscheidenden Rollen. Unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit haben sie ein expansives Perpetuum mobile konstruiert: Sie erfinden sich selbst immer neue Aufgaben, der Staat gibt das Geld. (...) "Die Wohlfahrtsverbände sind erfolgreich darin, Krisenphänomene erst zu erfinden, um dann die Leistungen zu ihrer Lösung anzubieten", fasst der Münchner Theologe Friedrich Wilhelm Graf zusammen. Der umtriebige Professor hat mit seinem kritischen Buch "Kirchendämmerung" nicht nur viele Kleriker gegen sich aufgebracht, er hat auch lange Zeit selbst Wohlfahrtsorganisationen beraten. (...) Zwar sind die Verbände steuerlich dem Gemeinwohl verpflichtet, doch in der Praxis kümmern sie sich zuvorderst um die Mehrung des eigenen Einflusses. Dabei helfen Privilegien, die einst für die innere Organisation der Kirche erdacht waren. Sie müssen keinerlei Unternehmensdaten veröffentlichen, ihre Aufträge erhalten sie in vielen Feldern ohne öffentliche Ausschreibung, und ihren Mitarbeitern ist es untersagt, sich gewerkschaftlich zu organisieren..."
 
Und in der bereits erwähnten „Thüringer Allgemeine" hat wohl die „Schere im Kopf", sprich die Kirchenfreundlichkeit des Chefredakteurs, noch nicht total das Sagen. Denn in einem Artikel vom 22.11.2012 kommt auch diese Tatsache ans Licht:
 
„Bio-Imker schlägt zehn Thesen an: Kirche soll Land preiswerter verpachten
 
...Etwa 80 000 Hektar besitzt die evangelische Kirche zur landwirtschaftlichen Nutzung in Thüringen. Bei der Pachtvergabe haben die großen Agrarbetriebe die Nase vorn, nicht zuletzt weil sie den höchsten Pachtzins zahlen können. Die halten dann Hunderte Schweine in Massenställen oder bauen auf Riesenfeldern Mais oder Raps an.
 
Kleine bäuerliche Betriebe und Neugründungen haben das Nachsehen. Dinge wie ökologische Landwirtschaft, nachhaltiges Wirtschaften, Tierschutz, Artenvielfalt, soziale Arbeit weil viele der kleinen Güter neue Arbeitsplätze schaffen, werden bei der Pachtvergabe überhaupt nicht berücksichtigt.
 
Das ist nicht nur ungerecht, befindet Bauernrebell Grolm, sondern widerspricht auch dem Ethos der Kirche, für die doch der Schutz von Erde und Kreatur Priorität haben sollte.
 
Wenn schon nicht die Kirche mit gutem Beispiel vorangeht, was könne man da noch von den anderen Landverpächtern erwarten?"
 
 
Siegfried R. Krebs
 
 




01.12.2012

Von: Siegfried R. Krebs

Dienstag, 27. November 2012

ARD Mediathek: Reportage / Dokumentation - Die Story im Ersten: Gott hat hohe Nebenkosten - Montag, 26.11.2012 | Das Erste

ARD Mediathek: Reportage / Dokumentation - Die Story im Ersten: Gott hat hohe Nebenkosten - Montag, 26.11.2012 | Das Erste

Bernadette K. wurde als Leiterin eines katholischen Kindergartens entlassen, weil sie sich von ihrem Mann trennte und zu einem neuen Partner zog. Ehebruch. Ein Verstoß gegen die Loyalität zur ihrem Arbeitgeber, hatte die Kirche entschieden und ihr gekündigt. Wie Bernadette K. arbeiten weit über eine Million Menschen in sozialen Einrichtungen für die Kirchen - in Kindergärten, Krankenhäusern, Schulen und Altenheimen. Sie alle unterliegen einem besonderen Arbeitsrecht.

Samstag, 10. November 2012

ARD Panorama: Sonderechte für Kirchen in Deutschland - YouTube

ARD Panorama: Sonderechte für Kirchen in Deutschland - YouTube

 Was passiert wenn der Staat den Kirchen Sondererechte einräumt? Dann bleibt der Mensch natürlich auf der Strecke und wird diskriminiert wie hier am Beispiel Deutschland deutlich zu sehen ist. Als moralische Instanz sind die Kirchen schon lange nicht mehr glaubwürdig und haben längst abgewirtschaftet.

StudieKurzfassung.pdf (application/pdf-Objekt)

 Religiös motivierte Diskriminierungen in Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft sind weit verbreitet und prägen Bewerbungsprozesse, Arbeitsalltag und Privatleben der Beschäftigten. Das belegt eine vom IBKA ermöglichte Studie von Corinna Gekeler. Die Studienleiterin zeigt auf, dass das immer wieder vorgebrachte Selbstbestimmungsrecht keineswegs jegliche Diskriminierung legitimiert. Sie weist Möglichkeiten aus, wo Veränderungen durchsetzbar erscheinen und stellt Akteure vor, [...]

StudieKurzfassung.pdf (application/pdf-Objekt)

Nur für Gottes Lohn – Gehaltsdumping in kirchlichen Einrichtungen « Atheist Media Blog

Nur für Gottes Lohn – Gehaltsdumping in kirchlichen Einrichtungen « Atheist Media Blog

 http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=hXSHKFYvkSo#t=0s

Samstag, 3. November 2012

Atheist kontra Christ - Norbert Blüm Peter Henkel "Streit über Gott | Kritik | Deutschlandradio Kultur

Atheist kontra Christ - Norbert Blüm Peter Henkel "Streit über Gott | Kritik | Deutschlandradio Kultur

Schwarzbuch Katholische Kirche - Sex-Verbrechen von Priestern - Emanuela Orlandi und der Vatikan

Schwarzbuch Katholische Kirche - Sex-Verbrechen von Priestern - Emanuela Orlandi und der Vatikan

Es geht vor allem darum, dass die Kirche sich nicht mehr "christlich" nennt, um den Namen des Jesus, des Christus, nicht länger zu missbrauchen und in den Schmutz zu ziehen, wie es leider seit vielen Jahrhunderten geschieht. Denn weder stimmt die kirchliche Lehre mit Christus überein (siehe dazu Der Theologe Nr. 25) noch zigtausendfach das Tun. Vielmehr sind die Großkirchen und ihre Amtsträger heute vergleichbar den schriftgelehrten Gegenspielern von Jesus von Nazareth vor ca. 2000 Jahren. 

Mittwoch, 31. Oktober 2012

500 Jahre Luther sind genug - die kritische Seite zum Reformationsjubiläum

500 Jahre Luther sind genug - die kritische Seite zum Reformationsjubiläum

 500 Jahre Martin Luther sind genug - Wer Luther weiter verehrt, ehrt einen Mann, der für Totschlag, Ausgrenzung und Intoleranz steht

Montag, 29. Oktober 2012

Religion: Weg mit Kirchensteuer und Religionsunterricht! | Gesellschaft | ZEIT ONLINE

Religion: Weg mit Kirchensteuer und Religionsunterricht! | Gesellschaft | ZEIT ONLINE


Leserartikel

Religion Weg mit Kirchensteuer und Religionsunterricht!

Die Kirche würde an moralischer Integrität gewinnen, wäre sie stärker vom Staat getrennt, schreibt Leser Martin Ross. Ein gutes Beispiel dafür lieferten freie Gemeinden.

Samstag, 20. Oktober 2012

Noreen als Christa Katzbuckler - YouTube

Noreen als Christa Katzbuckler - YouTube

Christa Katzbuckler ist ein Teil des Kabarett-Programms "Teuflisch" von Noreen Aidan

Donnerstag, 18. Oktober 2012

VEGETARIER - GOTTLOSE KETZER?

VEGETARIER - GOTTLOSE KETZER?

Für die Tiere,
unsere Mitgeschöpfe aus Gottes Hand


Übermäßiger Fleischkonsum, das zeigt sich in unseren Tagen mehr und mehr, ist ein schwerwiegendes Problem: Dem Menschen bringt er Übergewicht, Herzerkrankungen und weitere Krankheiten. Den Tieren bereitet er unsägliche Quälereien in der Massentierhaltung und einen grausamen Tod im Schlachthof. Zurück bleiben abgeholzte Regenwälder, vergiftete Böden und Gewässer – und ein Planet Erde, der direkt in die Klimakatastrophe getrieben wird.
Wer hat uns das eingebrockt? Die Jäger? Die Metzger? Die Industriebosse? Die gierigen Verbraucher? Alle zusammen? Wer den Blick schärft, der findet den Berufsstand, der schon vor Jahrhunderten den Grundstein für die brutale Missachtung des Lebens gelegt hat – und diese „Tradition“ bis heute hoch hält...
Wer dabei nicht mitmacht, gilt bis heute als "gottloser Ketzer".

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Kirche will Geld: Million von der Stadt Regensburg für den Katholikentag?

Kirche will Geld: Million von der Stadt Regensburg für den Katholikentag?

........... Beim Katholikentag in Mannheim heuer weiß man jedenfalls, dass der acht Millionen Euro gekostet hat. Eingeplant waren dabei dreieinhalb Millionen Euro, die keineswegs von der Amtskirche, sondern von staatlichen Stellen kamen. Die Stadt Mannheim zahlte 1,5 Millionen. Also vom Steuerzahler.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Vor Gott und den Menschen … - West ART - Talk - WDR Fernsehen

Vor Gott und den Menschen … - West ART - Talk - WDR Fernsehen

Sie können nicht ohne einander und geraten doch oft in Konflikt: der Staat und die Religion. In Deutschland ist das komplizierte Verhältnis in der Verfassung geregelt. Sie schützt die Religionsfreiheit und verpflichtet den Staat zu weltanschaulicher Neutralität. Die Trennung von Kirche und Staat lässt aber Spielraum für Kooperationen und konkrete Vereinbarungen - zum Beispiel beim Religionsunterricht oder bei der Wahrnehmung sozialer Aufgaben.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Hildegard von Bingen, Gottesprophetin, degradiert zur "Kirchenlehrerin"

Hildegard von Bingen, Gottesprophetin, degradiert zur "Kirchenlehrerin"


Hintergrundinformationen zur Verehrung von Hildegard von Bingen durch die Vatikankirche

Wussten Sie schon, dass die berühmte deutsche Mystikerin des Mittelalters, Hildegard von Bingen (Sommer 1098 - 17.9.1179), im Mai 2012, also mehr als 800 Jahre nach ihrem Tod, von Papst Joseph Ratzinger in das Verzeichnis der katholischen "Heiligen" eingeschrieben wurde? Und dass sie im Oktober 2012 auch noch mit dem Titel "Kirchenlehrerin" bedacht wurde? Eine Frage dazu ist, ob das alles für die "große deutsche Prophetin", wie sie auch genannt wird, wirklich eine Ehre darstellt – oder nicht vielmehr eine Degradierung bzw. eine Herabwürdigung, ja sogar eine Beleidigung, gegen die sie sich nicht mehr wehren kann? Denn niemand hatte sie je gefragt, ob sie überhaupt "Kirchenlehrerin" sein will. Und kein Vertreter des Katholizismus hat öffentlich die Frage gestellt, ob ihr das überhaupt recht gewesen wäre? Und so könnte man nun stattdessen fragen: Was hat sie denn davon, dass sie 2012 zur "Heiligen" und Kirchenlehrerin gemacht worden ist? Gemeinsam mit dem Kirchenlehrer und Heiligen Thomas von Aquin (1225-1274) dürfe sie von ihrem neuen Ehrenplatz aus z.B. jetzt die grässlichen höllischen "Strafen der Gottlosen vollkommen schauen", wie Thomas von Aquin über die Heiligen lehrte (zit. nach Markus Enders, Jahrbuch für Religionsphilosophie, Band 7, Redaktion: Institut für Systematische Theologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Frankfurt am Main 2008, S. 82). Ob das Thomas von Aquin aber Recht wäre, bei jener sadistisch-voyeuristischen Schau nun eine Frau an seiner Seite zu haben, muss bezweifelt werden. Denn die Frau ist laut Thomas von Aquin von Natur aus mit weniger Tugend und Würde ausgestattet als der Mann" (Summa Theologica I/92/1) und zudem "ist das Weib dem Manne von Natur aus unterworfen" (Summa Theologica I/92/2). Und jetzt soll Hildegard dadurch ihre "Seligkeit besser gefallen", dass sie sich daran ergötzen dürfe, wie Männer, denen sie allesamt auf Erden unterworfen war, im Höllenfeuer brennen. Würde nun Thomas von Aquin einen solchen jenseitigen Zustand an der Seite von Hildegard von Bingen akzeptieren oder hat er bereits "Reißaus" genommen, nachdem Hildegard angeblich bereits neben ihm Platz genommen habe?
Was wie eine Satire klingt, ist leider bitterernst. Lesen Sie mehr Informationen zur Verehrung von Hildegard von Bingen durch die Vatikankirche.

Donnerstag, 5. Juli 2012

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 Die gute alte verkommene Pseudomoral der Neuzeit

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Samstag, 30. Juni 2012

Kirchenkritische Bücher: Die neue Inquisition, Strafsache Vatikan, Papst Pius XII - der unselige Papst, Verfolgte Gottsucher u.a.

Kirchenkritische Bücher: Die neue Inquisition, Strafsache Vatikan, Papst Pius XII - der unselige Papst, Verfolgte Gottsucher u.a.


Bücher 




Die Vergangenheit ist Gegenwart
Der unselige Papst
Pius XII. und seine Verstrickung in die Verbrechen des 20. Jahrhunderts

... und warum der Vatikan ausgerechnet ihn seligsprechen will
von Matthias Holzbauer
Wie ein düsterer Untoter geistert er immer wieder durch die Öffentlichkeit: Papst Pius XII., den seine Nachfolger auf dem Papstthron immer wieder seligzusprechen versucht haben. Sein verhängnisvolles Schweigen zum Holocaust hat diesen Schritt bisher verhindert. Doch der Vatikan lässt nicht locker. Weshalb eigentlich?
Wer dieser Frage nachgeht, der findet viel mehr als nur die Schuld der Kirche gegenüber den Juden. Eugenio Pacelli hat eine ganze Epoche geprägt – und dabei jede Mange Leichen im Keller angehäuft: Rechtfertigung von Bürger-, Kolonial- und Weltkriegen, Bündnisse mit faschistischen Diktatoren, Vertuschung von Völkermord. Alles nur, um die Macht des Vatikan über die Seelen der Menschen (und über deren Geldbeutel) weiter zu mehren. 
Der Journalist und Buchautor Matthias Holzbauer deckt die Strategie des Vatikans auf, die sich hinter frommen Worten und scheinheiligen Ritualen verbirgt: den Marsch zurück ins Mittelalter. Dagegen hilft nur entschlossene und fundierte Aufklärung. Denn wer schweigt, macht sich schuldig. 
Buch, ca. 276 Seiten, kartoniert, mit 21 Abbildungen, 13,80 € + 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 23,80, ISBN 978-3-9808322-6-7, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210; Bestellen Sie das Buch über Internet-Shop. Oder per E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.


Die Berichte über die einzelnen Bewegungen finden Sie z.T. auch im Journal Das Friedensreich (siehe im Inhaltsverzeichnis bzw. im Stichwortverzeichnis)
 


Mutige Opfer der Kirche
Verfolgte Gottsucher
Der Strom des Urchristentums in der Geschichte

von Matthias Holzbauer
Sie wurden vertrieben, zwangsbekehrt, getötet. Doch so wie Pilze über Nacht aus dem Boden wachsen, tauchen sie immer wieder auf: spirituelle Bewegungen, die abseits der verhärteten Machtkirchen ein ursprüngliches, unverfälschtes Christentum anstrebten. Der Strom des Urchristentums ist in der Geschichte nie wirklich versiegt – und er strömt bis in unsere Tage ...
Aus dem Inhalt: Markioniten, Montanisten, Manichäer, Origenes und die Arianer, Paulikianer, Iro-Schotten, Bogumilen, Katharer, Savonarola, Waldenser, Hussiten, Täufer.
Buch, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2004, 112 S., kart., mit Farbbildern,  9,80 € + 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 17,30, ISBN 978-3-9808322-5-0, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder per E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.



 







Lesen Sie Auszüge aus dem Buch unter: www.steinadler-schwefelgeruch.de
Religionsunfreiheit
in Deutschland
Geschichte und Gegenwart der Verfolgung religiöser Minderheiten
Der Steinadler und sein Schwefelgeruch
Das neue Mittelalter
von Matthias Holzbauer jetzt nur noch 14,90 €
Schon Jesus von Nazareth wurde von den Priestern und Theologen Seiner Zeit als "Feind des Kaisers" bei der römischen Staatsgewalt angeschwärzt. Seit dieser Zeit wiegeln kirchliche Obrigkeiten immer wieder den Staat gegen die "Ketzer"-Bewegungen auf, die das Christentum in seiner ursprünglichen Form wiederbeleben wollen.
Und ähnlich wie im Mittelalter bekämpfen die Kirchen auch heute wieder neue religiöse Bewegungen mit den Mitteln des Rufmords und der Verleumdung. Am Beispiel der Urchristen im Universellen Leben zeigt der Journalist und Soziologe Matthias Holzbauer auf, wie bestimmte Kirchenvertreter heute die "religiöse Konkurrenz" zu vernichten versuchen: Indem sie wiederum den Staat gegen religiöse Minderheiten aufhetzen. Der Staats-Adler soll zum Stein-Adler werden, der sich von den Kirchen dazu abrichten lässt, Steine auf die eigenen Bürger zu werfen, die das "falsche" Gebetbuch haben ...

Buch, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2003, kart., 464 S., geb., mit zahlreichen Abbildungen;
14,90 € (neu) + 1,80 € Versand (Ausland nach Aufwand); SFr 26,30, ISBN 978-3-9808322-3-6, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210
. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder Sie schicken uns eine E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.
PS: Hinsichtlich der Entwicklung bei den Urchristen ist im Buch der Stand aus dem Jahr 2003 nachlesbar.

 



Das längst fällige TribunalStrafsache Vatikan
JESUS klagt an
von Uli Weyland
Ein längst überfälliger Strafprozess ist es, der in Rom unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet: Jesus von Nazareth selbst tritt als Chefankläger auf und konfrontiert in der Sixtinischen Kapelle beispielhaft 46 Päpste der Geschichte mit ihren Untaten – bis hin zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Nicht zufällig wählt der Journalist Uli Weyland Rom als Schauplatz für seinen fesselnden Roman, der auf historischen Tatsachen beruht: Denn von dort breitete sich das Unheil über die Welt aus: Die Kirche, angeblich angetreten, um das "Seelenheil" der Menschen zu retten und "Nächstenliebe" vorzuleben, hat von Anbeginn an nur Machtinteressen verfolgt. Zu deren Durchsetzung ist ihr jedes Mittel recht gewesen: von Amtsmissbrauch über Erpressung, Fälschung, Justizmord bis zur Unterstützung von kriminellen Vereinigungen und Kriegsverbrechern. Sie schreckte nicht vor Verstößen gegen die Menschenrechte, vor Volksverhetzung und Völkermord zurück. All das wirft Jesus aus Galiläa den selbsternannten "Stellvertretern" auf dem "Stuhl Petri" vor. Albigenser bzw. Katharer, Hugenotten, Indianer, Moslems, Protestanten, Wenden – sie alle fielen dem Absolutheitsanspruch der Kirche zu Opfer, vor allem aber "Hexen" und Juden. Mit der Inquisition wurde zunächst in Europa, später in der ganzen Welt die systematische Vernichtung aller "Ungläubigen" betrieben.
In die Betrachtung von Michelangelos "Jüngstem Gericht" versunken, wird Uli Weyland Zeuge dieses atemberaubenden Tribunals ...

Buch, Taschenbuchausgabe, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2002, kart., 528 S., mit Bildern, 19,80 € + 1,80 € Versand, (Ausland nach Aufwand), SFr 33,50, ISBN 978-3-9808322-2-9, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder Sie schicken uns eine E-Mail an info@das-weisse-pferd.com

 
Diese Schrift wurde im Jahr 2004 als Klageschrift auch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eingereicht.

 
Die Brutalität hinter dem oberflächlichen Charme Luthers totalitäres Regime vor Gericht
Eine religiöse Minderheit wehrt sich
von Christian Sailer             jetzt nur noch 4,90 €
In Deutschland ist die Weltanschauungs- und Religionsfreiheit massiv bedroht. Neue religiöse Bewegungen werden von den Kirchen pauschal als gefährliche Sekten gebrandmarkt und mit staatlicher Hilfe diskriminiert. Man verweigert ihnen Veranstaltungsräume, boykottiert ihre Geschäfte, nimmt ihnen Arbeitsplätze und Werbemöglichkeiten. Die Inquisition ist ist immer noch gegenwärtig - angezettelt von Institutionen, die darin seit Jahrhunderten Übung haben. An die Stelle von Scheiterhaufen und Mord treten heute Ausgrenzung und Rufmord.
Die vorliegende Schrift schildert, was eine religiöse Minderheit (Universelles Leben) hierbei erlebt hat und wie sie sich vor Gericht dagegen wehrte - in einem exemplarischen Prozess, in dem es um ein wichtiges Stück Freiheit geht. Der Text gibt die im Frühjahr 2002 eingereichte Klage wieder. Christian Sailer wurde als Anwalt von Bürgerinitiativen und Gemeinden bei großen Umweltprozessen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. In wissenschaftlichen Publikationen befasste er sich auch mit dem Verhältnis von Staat und Kirche.

Buch, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2002, 144 S., kart., 4,90 € (statt wie bisher 9,80 €) + 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 8,70; ISBN 978-3-9808322-0-5, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder Sie schicken uns eine E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.

 


Hier gelangen Sie über das Inhaltsverzeichnis zu den einzelnen Artikeln der Broschüre.
Die Falschmünzer Von der Wiege bis zur Bahre
Die Praktiken der Kirche - Das hat Jesus nicht gewollt
Herausgeber: Verlag Das Weisse Pferd
Von der Wiege bis zur Bahre ist das Kirchenmitglied eingebunden in ein festes Korsett von Ritualen und Zeremonien - der Katholik etwas mehr als der Protestant. Manche sprechen auch vom "vierrädrigen Christentum" - Kinderwagen, Hochzeitskutsche, Leichenwagen (alle Wagen haben vier Räder), weil viele nur wegen dieser Rituale in der Kirche bleiben. Wobei der Begriff "Christentum" hier mit Sicherheit fehl am Platze ist. Und eben darum geht es auch in dieser Broschüre: Aufzeigen, mit welchen Praktiken die Kirchen die Menschen an sich binden - und demgegenüber klarzustellen, was Jesus von Nazareth wollte - nämlich nichts von alledem.
Broschüre, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2000, 2,50 € + 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 4,30 Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder Sie schicken uns eine E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.
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 "Die wahre Wein-nacht" -
 eine Leseprobe aus dem Buch


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Autor
anlässlich der Neuerscheinung des Buches
 

Neu für alle Besitzer des Buches:
Das Sachregister zum Buch
Das Personenregister zum Buch

 
 
Die "freundlichen" Herren sind wieder unter uns Die neue Inquisition
Sektenjagd in Deutschland
von Hubertus Mynarek
Mentalität, Motivation, Methoden kirchlicher und staatlicher Sektenbeauftragter
Das Buch führt den Leser in die Welt der Mächtigen in Staat und Kirche. Ihre Sorgen, ihre Aktivitäten, aber auch ihre Leidenschaften, ihre geheimen Wünsche und Perversionen zeigen dem Leser eine ihm bisher unbekannte Welt.
Obwohl Sie Dinge erfahren, von denen Sie bislang nicht einmal zu träumen gefürchtet hatten, obwohl das, was Sie lesen werden, Ihre Vorstellungskraft übersteigen wird, ist das Besondere an diesem Buch, dass alles, was darin beschrieben ist, wahr ist. Sie blicken in eine Jahrhunderte alte Tradition von dunklen Mysterien, von Okkultem und Sadismus, von Intrigen und weltlichem Glanz, und Sie erleben, dass diese Traditionen auch heute noch lebendig sind, lebendiger, als Sie sich je vorstellen konnten. Das Buch, das den Titel trägt "Die neue Inquisition", beweist das Anliegen der Amtskirchen und der von ihnen abhängigen Politiker, die konfessionellen Traditionen zum Maßstab allen Handelns zu machen.
Zu den geschichtlich bedeutendsten dieser Traditionen gehörte Jahrhunderte lang der Massenmord, sei es an Hexen und Ketzern, sei es an Indianern oder Juden, sei es an anderen, deren Vermögen geraubt werden sollte.
Sie werden schwerlich eine Organisation finden, die so reich und so mächtig ist und so viele Verbrechen auf sich geladen hat wie die großen Amtskirchen. Sie werden aber auch viele Zusammenhänge nach der Lektüre dieses Buches besser verstehen lernen: warum z. B. sexuelle Perversionen und Kindsmissbrauch gerade bei Amtsträgern dieser Organisationen so verbreitet sind, warum Gewalt und Sexdarstellungen in den öffentlichen Medien von diesen Organisationen zwar öffentlich missbilligt, im Verborgenen jedoch finanziell gefördert werden, warum sie an der Waffenproduktion beteiligt sind und staatlich verordnete Tötung und Kriege befürworten ...

Buch, 1. Auflage Marktheidenfeld 1999, 489 S., kart., 18,00 € + 1,80 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 30,70 ISBN 978-3-9808322-1-2, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391 / 504-210. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder Sie schicken uns eine E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.

 


 

Noch ist er unterwegs
Des Satans alte Kleider
Sektenjagd in Deutschland
von Matthias Holzbauer und Gert-Joachim Hetzel
Gott ist die Wahrheit - der Satan die Lüge
Die Prophetin Gottes sagt aus

Buch, 1. Auflage Marktheidenfeld 2009, 388 S., geb., 22,50 € + Versand, ISBN 978-3-89201-295-5, zu bestellen über den Shop des Verlages Das Wort:
http://www.satans-alte-kleider.de/


 



 

Nur eine einfache Seele Der polnische Papst
Bilanz eines Pontifikats
von Hubertus Mynarek

Aus der Reihe "Unerwünschte Bücher zur Kirchen- und Religionsgeschichte", im Jahr 2005 im Ahriman-Verlag, Freiburg erschienen.
Bestellbar über die Versandbuchhandlung des Verlags DAS WEISSE PFERD für 19,80 € + 1,80 € Versand. E-Mail senden und bestellen: info@das-weisse-pferd.com

Jetzt wird er auch noch "selig" gesprochen. Mehr dazu hier.





 

Die Herren im Talar noch auf dem hohen Ross !
Die beleidigte Kirche
oder: Wer stört den öffentlichen Frieden?
von Karlheinz Deschner

"Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit ... keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die christliche Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche" (Karlheinz Deschner, S. 41).
Ahriman-Verlag, Freiburg 1986, bestellbar über die Versandbuchhandlung des Verlags DAS WEISSE PFERD für 4,30 € + 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 8,50; E-Mail senden und bestellen: info@das-weisse-pferd.com

 



Priester im Gegensatz zu dem Mann aus Nazareth
Verrat an der Botschaft Jesu
Kirche ohne Tabu

von Hubertus Mynarek      jetzt nur noch 2,00 €
Der bekannte Religionswissenschaftler enthüllt als Insider unbekannte Interna der römisch-katholischen Kirche, die hinter den feierlichen Gewändern verborgen sind. Ein theologisches, kirchenpolitisches und gesellschaftskritisches Buch mit vielen unbekannten Fakten und Details aus der Welt der "schwarzen Herren" und aus ihrem Denken, das aufzeigt, wie Anspruch und Wirklichkeit der Kirche auseinander klaffen und letztlich unvereinbar sind.
Verlag Das Wort, Rottweil 1986, bestellbar über die Versandbuchhandlung des Verlags DAS WEISSE PFERD für nur noch 2,00 € (früher 6,50 €)+ 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand); E-Mail senden und bestellen: info@das-weisse-pferd.com

 



Meldungen zum Zeitgeschehen: Das Weisse Pferd / Der Theologe aktuell
 



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Dienstag, 22. Mai 2012

Pontifikat der Scharlatane | Telepolis

Pontifikat der Scharlatane | Telepolis

Pontifikat der Scharlatane

Peter Bürger 16.05.2012

Kleinbürgerliche Heimathorizonte und das Ende der katholischen Weite: Der Papst aus Bayern und der Zentralkomitee-Katholizismus sind den Herausforderungen des 3. Jahrtausends nicht gewachsen. - Eine fromme Polemik

Zum Fest Christi Himmelfahrt findet in Mannheim der 89. deutsche Katholikentag statt. Die wohl bedeutendste katholische Gestalt aus Mannheim ist der von den Nationalsozialisten hingerichtete Jesuit Alfred Delp. Er war (trotz seiner Nähe zu einigen deutsch-katholischen Ideologiekomplexen) ein kompromissloser Gegner der Faschisten. Einen Monat vor seiner Ermordung schrieb dieser Märtyrer in sein Gefängnistagebuch über den Selbsterhaltungstrieb der Kirchenmächtigen: "Wir haben die kirchenpolitische Apparatur überschätzt und sie noch laufen lassen zu einer Zeit, wo ihr schon der geistige Treibstoff fehlte. […] Es kommt einzig darauf an, welche innere Mächtigkeit die Kirche als Religion in den betreffenden Räumen besitzt. Und hier geschah die große Täuschung." Die Diagnose ist, wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen, hochaktuell. Der Papst aus Deutschland hat geistigen Treibstoff für ein Christentum des 3. Jahrtausends allzu offenkundig nicht zu anzubieten. Der deutsche Katholizismus, der mit ihm kirchenpolitisch keineswegs immer am gleichen Strang zieht, steht leider ebenso wenig für überzeugende Alternativen einer prophetischen Kirche. Es dominieren kleine Horizonte.
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Angesichts des römischen Kamikaze-Kurses, der in absehbarer Zeit zum großen Knall führen muss, kann man sich über die Blauäugigkeit und Zaghaftigkeit mancher Laienfunktionäre nur wundern. Restituiert ist trotz des letzten Konzils ein repressiver Machtapparat, durch den sich Hans Küng - sehr zu Recht - "an Leitungskader in totalitären und diktatorischen Systemen" erinnert fühlt.
Vom Papst ernannte Kardinäle, deren Amt in Bibel und frühchristlicher Praxis nirgendwo vorgesehen ist, wählen jeweils den nächsten Papst, der wiederum allein die neuen Kardinäle kreiert und überall in der Weltkirche alles befehlen kann. Auch die Bischöfe auf dem ganzen Erdkreis werden vom Papst so ausgewählt, dass sie - von sehr seltenen "Unfällen" abgesehen - durchweg aus willigen Befehlsempfängern und Ausführungsbeamten bestehen …
Das sich selbst reproduzierende, auf einen einzelnen Übermenschen zugeschnittene Machtsystem ist jedoch in jesuanischer, biblischer und altkirchlicher Perspektive schlichtweg illegal. Es ersetzt die Formen rechtmäßiger Kirchenleitung durch einen Götzendienst der Macht und bedarf aus Glaubensgründen zwingend der Heilung. Dies gilt umso mehr, als Willkür und Selbstherrlichkeit dieses Systems nun wieder ungeschminkt ihr Gesicht zeigen. Zu predigen ist heute der römischen Kurie die Weisung Jesu: "Die in der Welt als Herrscher gelten, willküren nach unten herunter auf die Menschen und setzen sich ohne Rücksicht auf Verluste durch. So jedoch darf es bei euch nie sein." (vgl. Markus-Evangelium 10,42-43)
Das Zauberwort der Ratzinger-Ära: Monolog
Das unfehlbare und allmächtige Papsttum ist von einer Kirche der Angst erfunden worden, die sich 1870 dem Zeitalter dialogischer Geistigkeit durch die Konstruktion eines absurden Wahrheitsmonologes zu verweigern gedachte. Das letzte Konzil von 1962-1965 wollte diesen fatalen Umbau der Kirche zum geistigen Kriegsschiff rückgängig machen. Der Papst aus Deutschland setzt - stärker als sein polnischer Vorgänger - wieder auf die Monolog-Doktrin von vorvorgestern.
Schon in seiner Papstwahlkampfrede hat Joseph Ratzinger 2005 vor einer "Diktatur des Relativismus" gewarnt und geklagt, ein klarer Glaube nach dem kirchlichen Credo werde "oft als Fundamentalismus abgestempelt". Diejenigen, die Angst vor einer beziehungsfähigen Wahrheitssuche - in Relationen - haben, sind seitdem in ihren Erwartungen wahrlich nicht enttäuscht worden. Es gilt wieder mit Punkt und Komma das gedruckte Wort des zentralen Römischen Katechismus, dessen Weltbild und Sprache heute kein Religionslehrer mehr aufgeweckten jungen Leuten vermitteln kann. Als wahr gilt, was mit der platonisch-augustinischen Christologie Ratzingers konform geht.
Die Widersprüche zur bösen modernen Welt, die sich aus dem päpstlichen "Entweltlichungs"-Programm ergeben, sind durchaus etwas anderes als jene Konflikte, die Christen aufgrund einer jesuanischen Lebenspraxis aushalten müssen. Die pluralistische und dialogische Welt der Moderne soll abgeschrieben werden. "Ökumene" wird zum Fremdwort. Nach innen aber haben alle Glieder der Kirche wie ein Einheitsblock zu funktionieren, damit die Illusion einer unangefochtenen Wahrheitsbastion aufrechterhalten bleibt.
Nach dem Katholikentag: Volle Eingliederung der Traditionalisten?
Natürliche Verbündete für ein solches Dialogverweigerungsprogramm gegenüber der "Welt" sind die fundamentalistischen Lefebvre-Traditionalisten, die Pluralismus für Teufelswerk halten, die Zeitspanne von der Reformation bis hin zur bürgerlichen Revolution mit einem Eintritt in den Weltuntergang verbinden und Juden als Gottesmörder betrachten. Es bleibt einem die Spucke weg, wie Rom diesen Gegnern des letzten Konzils ohne Vorbedingungen alle Türen geöffnet hat und Schritt für Schritt ihren Wünschen Rechnung trägt. Sogar eine Fürbitte zur Bekehrung der Juden hat Joseph Ratzinger - ganz im Sinne der Schismatiker - wieder eingeführt, obwohl er aus Deutschland stammt und obwohl sein Großonkel Georg ein führender Vertreter des antisemitischen Sozialklerikalismus in Bayern war. Über Stilfragen kann man streiten, über diesen Kasus kann man nur weinen.
Liest man alle Informationen der letzten Jahre zusammen, so kommt der Verdacht auf, der Papst betrachte die vollständige Wiedereingliederung der rechten Fundamentalisten als oberstes Ziel seiner Amtszeit. Die treuesten Verfechter einer vorkonziliaren Kirche sollen wieder zur festen Säule im Innenraum werden, koste es was es wolle. Aus staatspolitischer Sicht gibt es da auch hierzulande riesige Probleme, denn Vertreter der Traditionalisten propagieren ja ganz offen verfassungsfeindliche Ziele. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse ließ sich deshalb von Kurienkardinal Kurt Koch Anfang des Monats beruhigen. Ohne ein klares Bekenntnis zum letzten Konzil sei eine Eingliederung der Pius-Bruderschaft nicht möglich.
Was aber wird Thierse sagen, wenn kurz nach dem Ende des Katholikentages oder mittendrin ganz andere Nachrichten aus Rom kommen? Bernd Göhrig, Geschäftsführer der Initiative Kirche von unten, befürchtet bei entsprechenden Beratungen der Glaubenskongregation in dieser Woche ein schlimmes Hau-Ruck-Ergebnis: "Es geht hier um einen Deal, bei dem beide Seiten gewinnen: Der Papst beendet ein Schisma und erzielt einen Prestigegewinn - und die Bruderschaft gewinnt Handlungsfreiheit zurück. Demokratiefeindlichkeit, Antisemitismus und Hass auf Homosexuelle werden jedoch auch weiterhin das interne Klima dort prägen." Angemessen wäre eine klare Botschaft des Katholikentages: "Mit solch finsteren Gestalten wie den Lefebvre-Fundamentalisten stehen wir in keiner Kirchengemeinschaft!"
Die neue Ratzinger-Messe: Jesus darf seinen Weg nicht mehr für alle gehen
Dass der Papst den Sektenkurs unverdrossen durchsetzen will, zeigt auch seine jüngste Order vom 14. April 2012 an die deutschsprachigen Bischöfe. Nach dieser Anordnung soll im Eucharistischen Hochgebet die Wendung "für alle" ersetzt werden durch "für viele". Falls dem griechischen und lateinischen "für viele" ein aramäischer "Wortlaut aus dem Munde Jesu" zugrundeliegen sollte, wäre das eher ein Argument für die deutschsprachige Übersetzung.
Jesus ist für alle Menschen einen Weg gegangen, der ihn in den tödlichen Konflikt mit Machtsystemen geführt hat, die aus der Angst und der narzisstischen Störung unserer menschlichen Gattung resultieren. Dass sein Weg allen gilt, betont auch ein Einschub der ältesten Überlieferung der römischen Gründonnerstagsliturgie. Ausdrücklich [!] hat Papst Johannes Paul II. Übersetzungen nach dem Typ des deutschsprachigen Messbuches noch wenige Wochen vor seinem Tod in der Gründonnerstagsbotschaft 2005 als "legitim" bezeichnet (man darf mit gutem Recht spekulieren, warum).
Angesichts all dieser Befunde gehen dem Papst aus Deutschland die Argumente aus. Sein Schreiben vom 14. April weist für einen angeblich brillanten Intellektuellen bemerkenswert viele Verwicklungen und Widersprüche auf. Harmlos daherkommender Formalismus soll davon ablenken, dass auch diese Order eine Konzession an die kleine traditionalistische Minderheit ist. Den größeren Zusammenhang bildet ein technokratisches Sprachdiktat, mit dem Rom schon lange gewachsene Liturgien verunstalten will. Eine erotische Theologie der Sprachenvielfalt und der vom Geistwehen eröffneten Übersetzungsräume täte im Zeitalter der Globalisierung not. Das Wahngebilde einer zentralistisch verordneten Einheitssprache gehört hingegen zum Babel-Projekt und ist im wahrsten Sinne geistlos.
(Falls Rom, wie zu befürchten steht, demnächst auch gegen den breiten Glaubenssinn der Gemeinden die Lieder des niederländischen Dichterpriesters Huub Oosterhuis aus dem Gesangbuch wegzensiert, werden wir das katholische Kulturniveau der Konzilskirche endgültig begraben und die verbohrt-spießige Kleingeistigkeit heiligsprechen müssen.)
Letztlich geht es beim absurden Verbot der Liturgie-Formel "für alle" auch um die Frage, ob die katholische Weite Karl Rahners, des bedeutenden Kirchenvaters des 20. Jahrhunderts, oder das Festungsmodell des machtpolitisch ungleich wendigeren Joseph Ratzingers zum Zuge kommt. Viel liegt dem Papst aus Bayern daran, die dem 19. Jahrhundert verhaftete Kirchenburg seiner Eltern und seiner eigenen Kinderzeit zu konservieren. Ob jüngere Katholiken ihre Kirche des II. Vatikanums am Ende seiner Amtszeit noch wiedererkennen können, darüber macht er sich offenbar keine Gedanken.
Der Macht- und Repressionsapparat
Im Fernsehen schaut der oberste Kirchenfürst immer sanftmütig aus. Die Realität ist, dass er als Großinquisitor systematisch die Theologen der lateinamerikanischen Kirche der Armen gemaßregelt hat und noch als Papst dem Jesuiten Jon Sobrino, einem der Berater des Märtyrerbischofs San Oscar Romero, eine Maßregelungsnotifikation schicken ließ. In seinem Priesterdasein war der heutige Papst stets materiell abgesichert und vermutlich nie lebensgefährlichen Konflikten aufgrund einer Bezeugung der prophetischen Botschaft Jesu ausgesetzt. (Die Auseinandersetzungen mit frechen 68er-Studenten wird man hier wohl kaum anführen können.)
Die neuerdings eingeübte Klage, die Kirche werde wegen des Ausschlusses der Frauen und ihrer Verurteilung der homosexuellen Liebe in der modernen Welt "einem tyrannischen Maßstab" unterworfen, ist - auch mit Blick auf die lateinamerikanischen Märtyrer - hoffentlich nicht als Anspielung auf eine moderne Variante von Kirchenverfolgung zu verstehen. Wenn sich der "Stellvertreter Christ" bei diesen beiden von ihm selbst gemachten Konfliktfeldern in Selbstmitleid üben würde, wäre es nämlich wirklich sehr traurig um das Glaubenszeugnis der obersten Kirchenleitung bestellt.
Die historisch äußerst belastete Naturrechtsdoktrin, die der Papst zuletzt bei seiner akademischen Vorlesung im deutschen Parlament vorgetragen hat, bietet für den dringend notwendigen Diskurs über neue Formen der Barbarei wenig Hilfreiches (der Papst hätte einen Freund oder eine Freundin mit Down-Syndrom in den Bundestag mitbringen und sprechen lassen sollen, dann wäre eine Botschaft ins Land gekommen). Der kundige Zuhörer entdeckt aber unter dem Stichwort "Ökologie des Menschen" auch in dieser Parlamentsvorlesung wieder die beiden, mit Geschlechterrollen zusammenhängenden Lieblingsthemen Joseph Ratzingers.
Frauenfrage und Homophobie im reinen Männerbund der Kirche betreffen eine zentrale Blockade aller Reformprozesse (Die große "Mutter Kirche" und ihre Söhne. Nicht von ungefähr setzen genau hier die innerkirchlichen Repressionen der letzten Zeit an. Konservative Bischöfe wollen den Laien bei beiden Themen den Mund verbieten, was ihnen in Deutschland allerdings nur teilweise gelingt. Kritische Priester in Irland wie der Journalist Brian D'Arcy werden vom Vatikan überwacht, weil sie z.B. neben dem Zölibat auch den Ausschluss der Frauen in Frage stellen. In den USA hat es jetzt den größten Dachverband der Ordensfrauen erwischt, dessen Mitglieder für ein breites Sozialengagement der Kirche einstehen. Auch hier gehört es wieder zu den zentralen Vorwürfen, dass die allzu klugen Nonnen der kirchlichen Lehre über Frauen-Ordination und "Homo-Ehe" nicht die Treue halten (wobei sie sich bezüglich des letzten Punktes übrigens in Einklang mit Kardinal Carlo Martini befinden).
In Irland und den Vereinigten Staaten haben Angehörige des männlichen Kleriker-Standes durch ihre sexualisierten Gewalttaten den Niedergang ganzer Landeskirchen eingeleitet. Die Kirche muss jene Kassen, die nach altkirchlicher Regel eigentlich den Armen gehören, zur "Entschädigung" von Priesteropfern leerräumen (die Beträge bewegen sich in Milliardenhöhe). Man sollte also meinen, wie die Publik-Forum-Autorin Barbara Jentzsch zu bedenken gibt, der Vatikan habe andere Hausaufgaben zu erledigen als die Beschnüffelung von Christen, die andere Meinungen als Rom vertreten.
Ein offenes Wort an die Geschwister im ZdK und in den nahen Kirchenleitungen
An meine Geschwister im nahen Kirchenraum würde ich gerne viele freundliche Worte richten. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat z.B. in der Frage der "Judenmission" die Umkehr des letzten Konzils unbeirrt verteidigt. Viele ZdK-Vertreter und mehrere Bischöfe, darunter sogar Kardinäle, haben sich faktisch von der aggressiven Homophobie der reinen Ratzinger-Lehre distanziert. Die Wortmeldungen aus der theologischen Zunft zeichnen sich seit geraumer Zeit durch immer mehr Qualität und Klartext aus …
Doch zur Stunde wiegt all dies angesichts einer Krise, in der sehr viele junge Leute uns Katholiken als Mitglieder einer kriminellen Vereinigung betrachten, zu leicht, viel zu leicht. Streitbare Persönlichkeiten gibt es lediglich im konservativen Flügel der deutschen Bischofskonferenz. Die anderen Herren bringen allenfalls auf der Predigtkanzel eine kleine Liebeserklärung an Johannes XXIII. zuwege, doch vor den Medienmikrofonen verstummen sie, sobald die eigentlichen Zeitfragen angerührt werden. Auch ein Kardinal Karl Lehmann hat es sich bis jetzt noch nicht verdient, dereinst als couragierter Anwalt des letzten Konzils in die Geschichtsbücher einzugehen. Die Geschichte der deutschen Bischofsstühle ist bekanntlich keine Geschichte von mehrheitlich mutigen Gestalten. Doch so wenig Format der Apostelnachfolger unter den Bedingungen einer relativ freien Gesellschaft, das ist schon bitter.
Die Frauen und Männer in ZdK-Gremien wissen intern ganz genau, dass der hierzulande ausgerufene Pseudodialog in der Kirche eine Alibiveranstaltung ist. Das Ganze läuft derzeit auf eine kunterbunte Anhörung ohne Folgen hinaus, bei der sich ausgesuchte Laien mal die Seele frei reden können und am Ende teure Hochglanzbroschüren erhalten. Insbesondere ist nicht zu erkennen, dass die von der theologischen Forschung klar herausgearbeiteten Verbindlichkeitskriterien für synodale Prozesse auch nur ansatzweise berücksichtigt werden. "Kabarettreif" nennt der Jesuit Friedhelm Hengsbach diesen Etikettenschwindel.
In den nächsten zwei Jahrzehnten werden die meisten nahen Ortskirchen, die man trotz des auch vom letzten Konzil bezeugten gemeinsamen Priestertums aller Getauften noch immer dreist als "priesterlos" bezeichnet, ausbluten. Aufgrund der herrschenden Amtspriester-Ideologie verstreicht die Frist zur Wahrnehmung jenes Zeitfensters, in dem sich der Leutekatholizismus vor Ort noch in zukunftsträchtige Kirchenmodelle transformieren könnte. Dass wir von den oberen Exzellenzen keine Hilfe erwarten dürfen, ist längst klar. Die Leute müssen also die Schlüssel ihrer Dorfkirchen in eigene Verwahrung nehmen und den frommen Ungehorsam einüben. Wenn der Bischof niemanden schicken will, dann werden eben die vor Ort anwesenden Christen Kindern von Jesus erzählen, Menschen taufen, die Frohe Botschaft auslegen, Kranke salben und helfen, den Altar des Lebens für die Gemeinde zu bereiten. Außer Magengeschwüren handelt man sich durch Anfragen bei den Autoritäten nichts ein, das ist die Erfahrung ungezählter Ortsgemeinden. Die Kirche von morgen beginnt also einfach von unten - oder es wird sie nicht geben.
Wie hilfreich bzw. verantwortungsvoll sind da Laienfunktionäre, die in Rom im Vorfeld des Katholikentages ganz autoritätshörig erklären: "Wir bleiben brav!" Auf dem alternativen Kirchentag von unten wird mit größter Spannung der Österreicher Helmut Schüller als Sprecher einer frommen Pfarrer-Revolte erwartet, die auch in deutschen Bistümern längst Schule macht. Falls die Spitze des Zentralkomitees der deutschen Katholiken allen Ernstes bei ihrer Distanzierung von diesem Hoffnungsträger bleiben will, sollte sie sich besser nicht mehr als Sprachrohr der Laien betrachten.

Illustration aus dem römisch-katholischen Kriegspropaganda-Hausbuch "Sankt Michael" von 1917.
Deutsch-katholisches Nationalerbe und Prüfsteine der Umkehr
Aufgrund ihrer deutsch-katholischen Kriegstheologie hat besonders die Kirche unseres Landes in zwei Weltkriegen das Evangelium verraten und deshalb eine besondere historische Verantwortung, die Kollaboration des Christentums mit dem Kriegsapparat endgültig zu beenden. Der Bruder Papst aus Deutschland sollte sich von seinem "Feindbild Pazifismus", kundgetan noch am Vorabend des Todes von Johannes Paul II., distanzieren; er sollte außerdem das von einem Rüstungskonzern erstellte Papa-Mobil abschaffen, die zur Schau gestellte Herzlichkeit an der Seite des Kriegs- und Folterpräsidenten George Bush jun. als schwerwiegenden Fehler seines Pontifikates eingestehen und in seiner Sozialenzyklika das dort fehlende Kapitel über die Hochrüstungsspirale der reichen Länder und den damit verbundenen Massenmord an den Armen der Erde ergänzen.
Die deutschen Bischöfe leben in einem Land, das inzwischen Waffenexport-Europameister ist und weltweit den dritten Platz beim Einfahren von Kriegsgüterprofiten behauptet. Ein gemeinsames Projekt aus beiden Großkirchen sorgt seit langem für kritische Aufklärung. Beim Katholikentag gäbe es die Chance, als Kirche Farbe zu bekennen. Die Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der Katholiken könnten geschlossen dem Trägerkreis der Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel beitreten. Eine der Forderungen der Kampagne: Das Verbot der Rüstungsexporte gehört ins Grundgesetz, denn es geht bei diesem boomenden deutschen Wirtschaftskomplex um Angriffe "auf das friedliche Zusammenleben der Völker".
Seit dem Bischofswort "Gerechter Friede" sind jetzt fast 12 Jahre vergangen. Die Politiker, gerade auch viele katholische, haben es sich herzlich wenig zu Gemüte geführt. Inzwischen gehören nationale Wirtschaftsinteressen zum festen Zielvorgabekatalog der deutschen Militärdoktrin (die Christenpartei will ja sogar Panzerexporte nach Saudi-Arabien mit einer Abwägung von "Werten und Interessen" rechtfertigen). Auch hier könnten sich Bischofskonferenz und Zentralkomitee einer ökumenischen Erklärung gegen Wirtschaftskriege anschließen. Denn dass Leute, die in der Politik für militärische Interventionen zur Sicherung unseres "nationalen Wohlstandes" eintreten, das Evangelium des Friedens verlassen haben, das muss man laut sagen - sonst wissen sie es womöglich nicht.
Beide Vorschläge hätten noch weitere große Vorzüge für alle Beteiligten. Die Zentralkomitee-Katholiken könnten nebenbei unter Beweis stellen, dass sie Gott mehr gehorchen als den Programmen der Parteien, denen sie angehören (auch die staatlichen Katholikentags-Zuschüsse würden ihr Geschmäckle verlieren). Die deutschen Bischöfe würden durch ihr unbequemes Votum ebenfalls demonstrieren, dass sie trotz ihrer horrenden Staatskirchengehälter und der staatlich finanzierten Militärseelsorge nicht gekauft sind.
Liebe Brüder Bischöfe, gerade auch die Geschichte des Bistums, in dem der Katholikentag stattfindet, sollte euch an ausstehende Wiedergutmachungen erinnern. Als der katholische Pazifist Max Josef Metzger von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt worden war, schrieb der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber einen schleimigen Brief an den Präsidenten des Volksgerichtshofes Roland Freisler und distanzierte sich feige von seinem Priester. Wie wäre es, wir würden im Geiste eures Hirtenwortes von 2000 in Deutschland anfangen, eine prophetische Friedenskirche zu werden?
Parallelen weltlicher und kirchlicher Machtverhältnisse
Wenn es einen glaubwürdigen Aufbruch im deutschen Katholizismus geben soll, dann ist eine weltkirchlich ausgerichtete und streitbare Parteiergreifung für die Armen auf dem Globus das erste Gebot der Stunde. Selbstredend sind mit den seit vielen Jahren eingeklagten Kirchenreformen nur zwingend notwendige Rahmenbedingungen angesprochen, auf deren Grundlage eine gemeinsame Suchbewegung im Dienste der christlichen Gemeinde von morgen überhaupt erst möglich wird.
Überall in der Nähe und auch im größeren Kirchenschiff müsste Jesus von Nazareth, den man in einen völlig ungefährlichen platonischen Überhimmel abgeschoben hat, die Chance erhalten, wieder auf die Erde zu kommen und an unserer Seite zu gehen. Dann hätten wir wohl anderes zu tun, als uns mit klerikalen Klageliedern über die sogenannte Gotteskrise die Zeit zu vertreiben.
Dass die vorherrschende Ignoranz gegenüber den großen Zivilisationsfragen ein Skandal ist, bekunden vor dem Katholikentag auch eher bürgerlich geprägte Kreise der Kirchenreformbewegung:
Es ist […] völlig unverständlich, warum sich die Deutsche Bischofskonferenz einem zweiten ökumenischen Sozialwort verweigert. In einer Zeit, in der der private Reichtum einiger Weniger ständig weiter wächst, während eine Milliarde Menschen Hunger leiden und die Natur rigoros dem Wirtschaftswachstum geopfert wird, müssen dringend grundlegende Alternativen zum herrschenden Wirtschaften, zur herrschenden Politik diskutiert werden.
Die deutschen Diözesanbischöfe gehören mit ihrem Einkommensniveau zur Oberschicht und haben mit dem Katakombenpakt der Armenbischöfe Lateinamerikas bislang noch wenig im Sinn. Die Parteien, aus denen sich nicht wenige ZdK-Funktionäre rekrutieren, sind weithin noch der neoliberalen Religion verhaftet. Vielleicht sind die Ähnlichkeiten zwischen dem weltlichen und dem kirchlichen Machtgefüge keineswegs zufälliger Natur. Im parlamentarischen Bereich bringt es die Politik nicht einmal fertig, die allerersten kleinen Schritte einer Entschleunigung und Kontrolle der virtuellen Geldvermehrungsmaschine auf den Weg zu bringen. Das aber wäre minimale Grundvoraussetzung dafür, um über eine neue Wirtschaftsform im Dienste der Menschen überhaupt nachdenken zu können.
Im Bereich der römischen Kirche werden derweil alle Weichen so gestellt, dass am Ende nur ein Kuschel-Getto für Kleriker in Spitzenröckchen und Priesteranbetungsvereine übrig bleibt. Da wollen wir frommen Revoluzzer doch lieber unheilbar katholisch bleiben und auf die ganze Weltgeschichte schauen: "Euch, Ihr selbstverliebten Herren, gehört die Kirche nicht!"
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36935/1.html