Montag, 3. Dezember 2012

Freigeist Weimar: „Die Kirchen“, sprich die Priesterkaste, sind Teil des Systems!

Freigeist Weimar: „Die Kirchen“, sprich die Priesterkaste, sind Teil des Systems!

 „Die Kirchen“, sprich die Priesterkaste, sind Teil des Systems!


WEIMAR. (fgw) Immer wieder, wenn laizistische Forderungen zur Vollendung des Verfassungsgebotes zur Trennung von Staat und Kirche(n) erhoben werden, immer wenn kirchenkritische Meinungen geäußert werden, hört man von tonangebenden Politikgrößen, auch der LINKEN, unisono stets diese Worte der Ablehnung: Die Kirchen sind doch unsere Verbündeten im Kampf gegen den Sozialabbau und für soziale Rechte, sie sind auch unsere Verbündeten im Kampf für den Frieden, Kirchenkritik und Laizismus kosten uns Wählerstimmen… Solche Forderungen sind unerhört und schaden uns nur. Also soll alles so bleiben wie es ist…



Vielleicht sollte zunächst einmal klar gestellt sein, daß sich Laizismus und Kirchenkritik nicht gegen die Gläubigen richten, auch nicht gegen die Gemeinschaft von Gläubigen, sondern ausschließlich gegen die (früheren Staats-)Kirchen als Machtinstrument und die Personifizierung dieses Machtinstrumentes in der Priesterkaste. Priesterkaste ist konkreter als der Begriff Klerus.
 
Priesterkasten haben sich in der Menschheitsgeschichte früher oder später über den Staat, über die Gesellschaft erhoben und waren in ihrer Maßlosigkeit fast immer eine der Hauptursachen für den Untergang von Zivilisationen.
 
Halten wir uns doch ganz einfach mal dies vor Augen: Seit das Christentum zur Kirche geworden ist und vor rund 1.700 Jahren mit dem Staat verschmolz wurde, ist diese Kirche in wandelnder Form stets Teil des Systems gewesen - und das bis heute. Kirche, sprich die Priesterkaste, war Teil des Staates bzw. sogar Staat selbst, siehe Kirchenstaat in Italien oder bis 1803 die diversen geistlichen Fürstentümer im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation". Und auch heute noch sind Staat und frühere Staats-Kirchen in nicht wenigen Fällen institutionell miteinander verbunden.
 
Wichtiger und vor allem schwerwiegender aber noch als diese institutionelle Verbindung ist der Status der früheren Staats-Kirchen als fester Bestandteil der jeweiligen ökonomischen Ordnung. Das begann in der Spätantike als zweitgrößter Grund- und Sklavenbesitzer nach dem Kaiser (also dem Staat), das blieb so im Feudalismus (wo die Priesterkaste sogar größter Großgrundbesitzer war) und das ist auch heute noch so: die angeblich 1803 enteigneten evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer sind nach wie vor kollektiver größter Großgrundbesitzer in Deutschland, sie sind auch kollektive Großkapitalisten (man denke nur an den Weltbild-Konzern oder einen Sozialkonzern wie Agaplesion - von dem sicherlich kaum ein Normalbürger je etwas gehört hat) und sie sind sogar kollektive Großbankiers. Und damit sind sie nicht nur Teil des kapitalistischen Systems, sondern auch unnachgiebige Verteidiger dieser Ausbeuterordnung. Ganz im Sinne der „Heiligen Schrift" und des Kirchenvaters Paulus, für die die Sklaverei etwas „Gottgegebenes" waren.
 
 

Nur ein Beispiel für die Verquickung von Staat und Kirchen

 
„Der Zentrale Ökumenische Polizeigottesdienst für Thüringen wird am kommenden Donnerstag (29. November) um 14 Uhr in der Stadtkirche in Meiningen gefeiert. Etwa 300 Teilnehmer werden erwartet. Einbezogen ist das Gedenken an die in diesem Jahr im Dienstalter verstorbenen Polizistinnen und Polizisten. Der Thüringer Innenminister Jörg Geibert wird die Namen verlesen. Im Anschluss an den Gottesdienst sind die Angehörigen zum Kirchenkaffee mit Gesprächen eingeladen.
 
Die seit 1998 einmal im Jahr angebotenen Landespolizeigottesdienste gestalten die Polizeipfarrer der evangelischen und katholischen Kirche gemeinsam. In diesem Jahr hält der evangelische Landespolizeipfarrer Michael Zippel die Predigt, das Totengedenken leitet der katholische Landespolizeipfarrer Karl-Josef Wagenführ. Die Kollekte ist für die Hospizarbeit im Kirchenkreis Meiningen bestimmt.
 
In Thüringen gibt es für die seelsorgerliche Begleitung der Polizistinnen und Polizisten neben den beiden hauptamtlichen Landespolizeipfarrern der evangelischen und der katholischen Kirche 16 ehren- und nebenamtliche Seelsorger. Die Polizeiseelsorger unterstützen die Polizeibeamten insbesondere in Krisensituationen, bei schweren Unfällen und in schwierigen Einsatzlagen wie Großdemonstrationen. Zur Aufgabe der Polizeiseelsorge gehören der berufsethische Unterricht in der Ausbildung und Seminarangebote. Dabei werden mit den Polizistinnen und Polizisten ethische Fragen erörtert."
 
So steht es geschrieben in einer gemeinsamen Presseerklärung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und des Bistums Erfurt vom 28.11.2012.
 
Wer bezahlt eigentlich die hauptamtlichen Landespolizeipfarrer? Die Kirchen aus ihren Beitragseinnahmen und Gewinnen aus Vermögen oder der Staat? Und warum eigentlich sind Pfarrer mit der berufsethischen Unterrichtung der Polizei betraut? Diese ist keine freiwillige Veranstaltung, sondern pflichtig und damit auch Pflicht für alle nicht- und andersgläubigen Polizisten.
 
Gleiches gilt für die Bundeswehr mit ihren Militärseelsorgern und dem ebenfalls pflichtigen „lebenskundlichen Unterricht". Und das ist nun wahrlich kein Beispiel für den Friedenskampf der Kirchen. Ebensowenig wie solche Befehle bei militärischem Zeremoniell „Helm ab zum Gebet", ungeachtet der Religion und Weltanschauung der Militärangehörigen.
 
 

Wer unkritisches Sprachrohr ist und/oder sich anbiedert, wird belohnt!

 
Missionierung und Manipulierung der öffentlichen Meinung sind wichtig für den Erhalt der ökonomischen Macht der Priesterkaste und ihres immensen Einflusses auf die Politik. Wer sich anbiedert, wer kritiklos Propagandasprüche unters Volk bringt, der wird selbstverständlich wohlwollend belohnt. Hierfür steht eine Pressemitteilung des katholischen Bistums Erfurt vom 26.11.2012:
 
Unter der Überschrift „journalistisch WERTvoll" heißt es da:
 
Bischöfliche Gratulation zur Auszeichnung für die Beiträge der Zeitung "Thüringer Allgemeine" (TA) zum Papstbesuch
 
Erfurt (BiP). Der Erfurter Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke hat dem Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen" (TA) zur Auszeichnung "journalistisch WERTvoll" im Rahmen der Verleihung des Katholischen Medienpreises 2012 gratuliert.
 
Paul-Josef Raue erhielt die Ehrung im Bereich Printmedien für die Konzeption der TA-Berichterstattung zum Deutschlandbesuch des Papstes im Jahr 2011, bei dem Benedikt XVI. auch nach Thüringen kam. Der Katholische Medienpreis und die zusätzliche Auszeichnung "journalistisch WERTvoll" werden von der Deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e.V. (GKPO) und dem Katholischen Medienverband e.V. (KM.) seit 2003 verliehen.
 
Die Jury würdigte die Beiträge der TA als eine "herausragende Teamleistung einer gesamten Redaktion, die über das erwartbare Maß deutlich hinausging", heißt es in der Preisbegründung. Dass diese außerordentliche Berichterstattung, die mit Veranstaltungen mit Experten ergänzt wurde und multimedial angelegt war, als "journalistisch WERTvoll" beurteilt wurde, freue das Bistum Erfurt, schrieb Weihbischof Hauke in einem Brief an den Chefredakteur.
 
Der Weihbischof gratulierte Raue und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TA "auf das herzlichste" und fügte zum Ende des Briefes wörtlich hinzu: "Dass wir als Thüringer Ortskirche darüber hinaus auch abseits der großen kirchlichen Ereignisse in der Redaktion der "Thüringer Allgemeinen" und in den vielen anderen Redaktionen unseres Freistaates auf Interesse stoßen, freut uns nicht weniger und erfüllt uns mit Dankbarkeit", so Hauke."
 
Nun, unter journalistisch wertvoll versteht das journalistische Berufsethos etwas ganz anderes, nämlich u.a. Objektivität, kritische Distanz. Wobei das nicht nur Journalisten wissen, sondern gleichermaßen auch viele Zeitungsleser. So heißt es am 01.11.2012 zu diesem Thema in einem Leserbrief:
 
„Unerwartete Teamleistung der Redaktion einer unabhängigen Zeitung erfüllt Weihbischof Hauke mit herzlichster Dankbarkeit. Aber was hatten besagter Weihbischof und Bischof Dr. Fürst von der TA erwartet? Einen Preis für den »journalistisch wertvollen« Chefredakteur war es denen nun wert.
 
Ob sich die ganze unabhängige Redaktion über jene veröffentlichte Dankbarkeit auch freuen kann? Werden damit nicht die Vorwürfe einer tendenziösen Berichterstattung erhärtet?
 
Die Konzeption der Berichterstattung war offensichtlich ganz im Sinne der Bischofskonferenz, war sie das aber auch für die Leser?"
 
 

Es klingelt in der Kasse: Kundeneinlagen bei Kirchenbanken

 
Kommen wir zum Geld der Kirchen, über das diese lieber schweigen. Dennoch läßt sich auch hier nicht alles verschweigen. Zu diesem Zweck hat man eigene Kirchenbanken eingerichtet, die ganz diskret Bankgeschäfte betreiben, nicht anders als die großen Privatbanken im engeren Sinne.
 
Bei den Kirchenbanken, von denen es derzeit acht (zu den großen Amtskirchen gehörige Banken; hierzu zählt übrigens auch die GLS Bank!) in Deutschland gibt, konnten (Ende 2010) rund 26,6 Mrd. Euro Geldeinlagen und eine vermutlich mindestens gleich große Summe von Kapitalanlagen in den Kundendepots ermittelt werden. Auf der Grundlage, dass sich bei den Kirchenbanken nur ein Drittel der Konten von kirchlichen Rechtsträgern befindet, ist von einem Kapitalvolumen der Kirchen von rund 150 Mrd. Euro auszugehen.
 
Bei den Kirchenbanken haben vorrangig konfessionelle Rechtsträger ein Konto und damit wird das dort vorhandene institutionelle Geldvermögen im konfessionellen Bereich öffentlich sichtbar. Abgezogen werden müssen die Geldeinlagen von (konfessionellen) Privatkunden, deren Anteil je nach Bank verschieden hoch ist. Der Anteil dieser privaten Geldeinlagen variiert auch in verschiedenen Jahren und wurde von der Bank im Bistum Essen eG im Geschäftsbericht 2011 mit etwa 8,5 Prozent angegeben, von der Evangelische Kreditgenossenschaft eG mit ca. 20 Prozent. Ein Mittelwert von 15 Prozent Geldeinlagen von Privatkunden erscheint plausibel und wäre dementsprechend von den Gesamtsummen abzuziehen, um die Geldeinlagen auf die institutionellen Kunden aus Kirche, Caritas und Diakonie zu begrenzen. Insofern ist ein sichtbares institutionelles Geldvermögen in der Größenordnung von rund 23 Mrd. Euro bei den Kirchenbanken feststellbar.
 
Neben diesen sichtbaren Geldeinlagen, gibt es bei den Kirchenbanken „unsichtbare", weil bilanzunwirksame Spezialfonds, Anleihen und Kundendepots, die nicht bilanziert werden und damit in den Geschäftsberichten der Kirchenbanken nicht genannt werden. Die EKK bezifferte auf Nachfrage 2004 das verwaltete Kundenvolumen auf insgesamt 5,5 Mrd. Euro (bei 2,9 Mrd. Euro Kundeneinlagen), die Pax-Bank spricht 2010 von 1,8 Mrd. Kundeneinlagen und 4,3 Mrd. verwaltetes Kundenvolumen. Der sichtbare Teil der Geldeinlagen wäre entsprechend um bei den Kirchenbanken unsichtbares weiteres Kapitalvermögen etwa bzw. mindestens zu verdoppeln.
 
Das gesamte Kapitalvermögen beider Kirchen wird auf (mindestens) die dreifache Summe der bei den Kirchenbanken deponierten Gelder geschätzt, da rund zwei Drittel der Kontenverbindungen im kirchlichen Bereich bei normalen Geschäftsbanken bestehen, bei denen der Kapitalbestand kirchlicher Rechtsträger in dieser Hinsicht nicht öffentlich sichtbar ist. Bei rund 50 Mrd. Euro Kapitalvermögen bei den Kirchenbanken wäre entsprechend ein gesamtes Kapitalvolumen kirchlicher Rechtsträger von rund 150 Mrd. Euro anzunehmen.
 
Bemerkenswert dabei sind die Veränderungen in den letzten Jahren, in denen besonders von den Kirchen auf die immer geringer werdenden Kirchensteuereinnahmen verwiesen wurde. Trotzdem wurden zwischen 1999 bis Ende 2010 nur bei den Kirchenbanken insgesamt 5,72 Mrd. Euro mehr auf die Konten gelegt, mit einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 2,2 Prozent pro Jahr. Mit anderen Worten, es wurden jährlich rund 470 Mio. Euro oder täglich knapp 1,3 Mio. Euro mehr auf die Konten nur bei den Kirchenbanken gelegt.
 
Bei der Zeitreihe für die evangelischen Kirchenbanken wird deutlich, dass im Jahr 2000 rund 670 Millionen Euro weniger als Geldeinlage „geparkt" und stattdessen in Aktienfonds (wie aus den Geschäftsberichten der Kirchenbanken zu schließen ist) angelegt wurden.
 
Da besonders die evangelischen Kirchenbanken ab dem Jahr 2000 mehr Kundengelder in Aktiendepots angelegt hatten, waren diese Banken auch mehr vom Kursverfall der Aktien und dem damit verbundenen Kapitalverlust ab 2001 betroffen. Dies ist sicher auch einer der Gründe für den Zusammenschluss der Evangelischen Darlehns-Genossenschaft eG mit der Bank für Kirche und Diakonie eG im Jahr 2003 und einem weiteren Zusammenschluss mit der Landeskirchlichen Kredit-Genossenschaft Sachsen eG im Jahre 2005. Im gleichen Jahr schlossen sich die ACREDOBANK mit der Evangelischen Kreditgenossenschaft eG Kassel zusammen. Durch diese Maßnahmen konnte der Abwärtstrend aufgehalten werden und die drei verbliebenen evangelischen Banken (auch die Evangelische Darlehns-Genossenschaft eG) konnten 2011 wieder ein Plus bei den Kundeneinlagen verbuchen.
 
 
Mehr dazu beim Humanistischen Pressedienst hpd.
 
 

Aktienkapital, unternehmerisches Wirken, Lohndrückerorganisation

 
Die Kirchenbanken halten also Aktienfonds... Wie jeder andere Kapitalist auch. Sie werden aber daneben expansiv direkt unternehmerisch tätig, was aber dem ungeschulten Auge hinter den harmlosen Begriffen von Diakonie und Caritas versteckt wird. Ein Beispiel nur:
 
Da gibt es u.a. den „diakonischen" Gesundheitskonzern Agaplesion mit mehr als 100 Einrichtungen, 17.500 Beschäftigten und rund einer Milliarde Jahresumsatz. Dieser agiert als Wirtschaftsunternehmen nicht anders als andere private Sozial-/Krankenhauskonzerne (Helios etc.). Nur daß dem Aufsichtsrat kein Arbeitnehmervertreter angehören muß, daß wegen des sogenannten Dritten Weges Betriebsräte und Streikrecht außen vor bleiben. Und wer sich Daten über Vorstandsbezüge von Sozialkonzernen in kirchlichem Besitz anschaut (siehe Frerk zu Caritas und Diakonie), wird eines feststellen können: Diese Herren (es sind kaum Damen dabei) werden nicht anders vergütet als Manager anderer privater Unternehmen. Und nicht selten verdient so ein „kirchlicher Geschäfteführer" sogar mehr als Bundespräsident oder -kanzler...
 
Dennoch werden Kleriker nicht müde, Sonntagsreden zu halten: So heißt es in einem Bericht über den 26. Journalistentag der dju (in der Gewerkschaft ver.di) in diesem November:
 
„Einen leidenschaftlichen Appell richtete die Generalsuperintendentin der Evangelischen Kirche in Berlin, Ulrike Trautwein, an die Mitglieder der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) in ver.di. »Warum macht ihr euch nicht endlich gemein mit der gerechten Sache?«, fragte sie und las lange Passagen aus der Bibel über den Einsatz für die Armen und Schwachen vor. Nachdem mehrere Zuhörer den Saal verlassen hatten, meldete sich ein Redakteur zu Wort und bezeichnete die Evangelische Kirche als »zweitgrößte Lohndrückerorganisation im Sozialbereich«, von der er solche Appelle nicht hören wolle. Trautwein räumte ein, die Kirche mache »einen zu großen Heiligenschein um ihren Dritten Weg«. Die Referentin beklagte aber auch »Polemik« von ver.di-Vertretern..."
 
Nun, dem erwähnten Journalisten kann man nach Kenntnis der Dinge nur zustimmen. Eigentlich bestätigt er aber nur ein bereits jahrhundertealtes Sprichwort über die christlichen Priester: „Sie predigen öffentlich Wasser und saufen selbst heimlich Wein."
 
 

Die Kirchen als ganz gewöhnlicher Kapitalist

 
Dafür mögen - unkommentiert - nur zwei weitere aktuelle Zeitungsartikel stehen.
 
Die linkem, sozialistischem Gedankengut sehr fern stehende Zeitschrift „Wirtschaftswoche" schrieb am 20.11.2012 u.a.:
 
„Ob Kita-Ausbau, Ganztagsschule oder Altenpflege - in den Wachstumsfeldern des Sozialstaats spielen die kirchlichen Wohlfahrtsträger Caritas und Diakonie die entscheidenden Rollen. Unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit haben sie ein expansives Perpetuum mobile konstruiert: Sie erfinden sich selbst immer neue Aufgaben, der Staat gibt das Geld. (...) "Die Wohlfahrtsverbände sind erfolgreich darin, Krisenphänomene erst zu erfinden, um dann die Leistungen zu ihrer Lösung anzubieten", fasst der Münchner Theologe Friedrich Wilhelm Graf zusammen. Der umtriebige Professor hat mit seinem kritischen Buch "Kirchendämmerung" nicht nur viele Kleriker gegen sich aufgebracht, er hat auch lange Zeit selbst Wohlfahrtsorganisationen beraten. (...) Zwar sind die Verbände steuerlich dem Gemeinwohl verpflichtet, doch in der Praxis kümmern sie sich zuvorderst um die Mehrung des eigenen Einflusses. Dabei helfen Privilegien, die einst für die innere Organisation der Kirche erdacht waren. Sie müssen keinerlei Unternehmensdaten veröffentlichen, ihre Aufträge erhalten sie in vielen Feldern ohne öffentliche Ausschreibung, und ihren Mitarbeitern ist es untersagt, sich gewerkschaftlich zu organisieren..."
 
Und in der bereits erwähnten „Thüringer Allgemeine" hat wohl die „Schere im Kopf", sprich die Kirchenfreundlichkeit des Chefredakteurs, noch nicht total das Sagen. Denn in einem Artikel vom 22.11.2012 kommt auch diese Tatsache ans Licht:
 
„Bio-Imker schlägt zehn Thesen an: Kirche soll Land preiswerter verpachten
 
...Etwa 80 000 Hektar besitzt die evangelische Kirche zur landwirtschaftlichen Nutzung in Thüringen. Bei der Pachtvergabe haben die großen Agrarbetriebe die Nase vorn, nicht zuletzt weil sie den höchsten Pachtzins zahlen können. Die halten dann Hunderte Schweine in Massenställen oder bauen auf Riesenfeldern Mais oder Raps an.
 
Kleine bäuerliche Betriebe und Neugründungen haben das Nachsehen. Dinge wie ökologische Landwirtschaft, nachhaltiges Wirtschaften, Tierschutz, Artenvielfalt, soziale Arbeit weil viele der kleinen Güter neue Arbeitsplätze schaffen, werden bei der Pachtvergabe überhaupt nicht berücksichtigt.
 
Das ist nicht nur ungerecht, befindet Bauernrebell Grolm, sondern widerspricht auch dem Ethos der Kirche, für die doch der Schutz von Erde und Kreatur Priorität haben sollte.
 
Wenn schon nicht die Kirche mit gutem Beispiel vorangeht, was könne man da noch von den anderen Landverpächtern erwarten?"
 
 
Siegfried R. Krebs
 
 




01.12.2012

Von: Siegfried R. Krebs